EEin Pragmatiker mag sagen, Intuition sei nichts anderes als ein Glückstreffer; ein Gefühl, das auf einer inständigen Hoffnung beruht, einer Angst oder irgendeiner anderen unwiderstehlichen Emotion. Doch die Menschen, die sie gemeistert haben, wissen, dass sie etwas vollständig anderes ist. Zweifellos wurzelt Intuition in einer Gefühlserfahrung – jedoch nie in einer Emotion. Emotionen sind oft die ersten Barrieren, die jeder wahren Form von Intuition im Wege stehen, da sie alle eine gewisse Ladung tragen. Sie tragen einen Anteil von Unvollständigkeit oder Vorurteil, der stark davon abhängig ist, ob die Emotion einen Glaubenssatz bestätigt oder ob sie aufsteigt, um einen Glaubenssatz zu verteidigen. Nein – Emotionen gehören der Ebene des Verstands an, wohingegen Gefühle dem Reich des Herzens angehören.

Vorlieben, Abneigungen, Glaubenssätze, Bewertungen, Urteile und selbst Zuversicht entspringen immer dem Intellekt. Doch Intuition, wie Liebe oder höherer Glaube, ist ein reines Attribut des Herzens. Man könnte leicht dagegenhalten, dass das Herz nicht denken könne – und läge damit richtig. Doch das Herz kann wissen! Man könnte weitergehen und argumentieren, das Herz sei nur ein Organ in der Brust, eine Pumpe, die nur dazu gedacht ist, das mit Sauerstoff angereicherte Blut durch den Körper strömen zu lassen. Und wieder wäre das weitgehend korrekt. Jedoch beziehe ich mich nicht auf dieses Herz, wenn ich von Intuition spreche. Obwohl das physische Herz aktiv auf die subtilen Wogen von Intuition aktiv reagieren mag, befindet sich das Herz, über das ich schreibe, nicht in der Brust. Wir besitzen noch ein anderes Herz, ein spirituelles Herz, das „Herz in der Psyche“. Vor langer Zeit wurde dieses Herz in der östlichen spirituellen Welt „Antahakarana“ genannt und noch weiter davor war es als „das Ura“ bekannt.

 Intuition ist in Wahrheit ein Angebot des tiefen inneren Leuchtens, welches das repräsentiert, was du jenseits der Begrenzungen von Zeit und Raum bereits weißt. Sie ist deine Verbindung zu dem einen Selbst, das den einen Willen trägt, der das Leben durch die drei Zyklen von Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung bewegt.

Das Ura wurde metaphorisch oft als Pushakara dargestellt, als blauer Lotus, der im transzendenten Epizentrum der Psyche ruht. Die Rishis der alten Zeit kannten dieses Geheimnis und begannen dem Verstand* eine geringere Bedeutung zuzumessen. Sie beschrieben ihn als reines Instrument von etwas Größerem, etwas weitaus Machtvollerem und kamen zur Erkenntnis, dass es dieses Herz ist, das Ura, um das herum die Prinzipien der Psyche angeordnet sind. Sie sind im wesentlichen dazu erschaffen, diesem Herzen zu dienen.

*Der Verstand oder Intellekt ist das denkende Prinzip der Psyche.

Das Ura repräsentiert den blauen Lotus-Thron deiner Intuition, durch den all deine feinsten Empfindungen hervorkommen und sich in das wandeln, das einst von den alten Weisen „Bhasaijya Pramana“ genannt wurde. Bhasaija Pramana sind die reinen göttlich beabsichtigten Wahrnehmungen, die durch den zutiefst geheimnisvollen und transzendentalen vaidurya-blauen heilenden Ozean aufsteigen. Dieser Ozean trägt die wesentlichsten Saat-Impulse in sich, die eine heilende Ordnung und erneuerte Harmonie in diese Welt bringen können – wenn sie auf die richtige Weise durch den menschlichen Intellekt kanalisiert werden. Ebenso stellt er die Quelle jeder Form von wahrer Intuition dar. Er ist der Urquell der potenzialtragenden indigoblauen Gewässer, die der aufrichtig Suchende in seinem Leben zu finden hofft, wenn er wahre spirituelle Führung sucht. Aus diesem Grund suchen all jene danach, die an ihren höheren Erkenntnissen und der Meisterschaft des Selbst arbeiten. Das Ura ist der Heilige Gral, unser wahres spirituelles Herz und die Quelle aller unserer göttlichen Realisationen. Was sich oft in die Interaktion mit diesem geheimen Herzen mischt und am meisten verwirrt, ist, dass der Verstand der Unbewussten ihm selten dienen wird, es dennoch aber könnte, und ihm am Ende auch dienen muss. Jedoch kann der menschliche Verstand dieses Herz nicht direkt kennen, ähnlich wie das Auge sich nicht selbst sehen kann. Je mehr man danach sucht, um so weniger ist man in der Lage es zu finden. Das blaue Lotus-Ura kann nur erlangt werden, indem man sich ihm ganz überlässt, in einer vollständigen und aufrichtigen Kapitulation. Nie jedoch durch Bestrebung. Um die Geschenke dieses Herzens zu erkennen, müssen wir erst so unschuldig werden wie ein von Staunen überwältigtes Kind und alle Ego-Ambitionen loslassen. Wir müssen so rein und still hören, wie der Schnee der Berührung des Sonnenlichts lauscht und ihm dann erlauben, sein Werk zu tun, ohne den Fluss der Manifestation mit den verfälschenden Einflüssen des Wollens oder der Begierde zu verunreinigen.

Du magst vielleicht fragen: „Wenn das Ura unser essenziellster Führer ist und ich in meiner Suche nach Antworten und Führung kein Verlangen haben soll, wie kann ich dann am Ende wissen, in welche Richtung ich zu gehen habe, wo ich wohnen oder was ich im Leben tun soll?“ Zu fragen ist eine Sache, aber zu hören ist eine vollkommen andere! Wir alle haben sicherlich unser Maß an Wünschen, sogar viele davon, aber wir haben auch unsere aufrichtigen Bedürfnisse. Diese beiden mögen anfänglich ähnlich erscheinen, aber meistens sind sie das nicht. Denn wir haben detailliert gelernt unsere Wünsche dem anerzogenen Gefühl dessen anzupassen, was wir glauben zu sein. Wir haben es dem Ego-Selbst angepasst, mit dem wir uns definieren und in welchem wir sorgfältig alle möglichen Anhaftungen und Aversionen gegenüber den Dingen angesammelt haben, die wir zu seiner Aufrechterhaltung meinen zu benötigen. Als Resultat befinden wir uns in der Annahme etwas zu wollen und sind getrieben nach einem bestimmten Ergebnis zu hören, von dem wir hoffen, es würde uns das Erwünschte bringen.

Kommt dir das bekannt vor? Das sollte es. Es handelt sich dabei um den von uns allen geteilten menschlichen Zustand, dem wir unterliegen, bis wir eines Tages erkennen, dass wir nicht sind, wer wir glauben zu sein. Wenn wir dann genau hinsehen, dämmert uns vielleicht, dass unsere Wünsche womöglich nichts mit dem zu tun haben, was wir brauchen. An diesem Punkt beginnen unsere Träume möglicherweise die ersten Risse aufzuweisen, die das Licht hindurchlassen, das uns dorthin führt, wo wir unser Hören verloren haben. Erneuert in Unschuld und ohne Vorurteil hörend, können wir beginnen wieder wie ein aufrichtiges Kind zu hören, das zum ersten Mal einen Fuß in diese Welt setzt. Dies ist der Punkt, an dem alle Wesen beginnen ihre Intuition zurückzuerlangen.

Aber wie wissen wir, wie können wir erkennen, wenn sie beginnt, unsere Psyche zu erfüllen? Intuition ist in Wahrheit ein Angebot des tiefen inneren Leuchtens, welches das repräsentiert, was du jenseits der Begrenzungen von Zeit und Raum bereits weißt. Sie ist deine Verbindung zu dem einen Selbst, das den einen Willen trägt, der das Leben durch die drei Zyklen von Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung bewegt. Das Flüstern des Ura enthüllt dir eine partielle Sicht der Wahrheit deiner Existenz, wie eine unendliche Geschichte. Das Ura ist dein Fraktal des höchsten Herzens, welches das gesamte Universum aufrechterhält und bewegt. Ihm steht das größere Theater des Lebens zur Verfügung, das dazu erschaffen wurde, um alle seine Teile in Gleichklang und Harmonie agieren zu lassen. Es kennt deine Wahrheit und den Grund, warum du hier bist. Doch seine Größe kannst du mit dem Verstand nicht fassen, da seine Reichweite viel zu ausgedehnt ist. Stattdessen musst du lernen, dich vollkommen auf deine Fähigkeit des Fühlens zu verlassen. Das Fühlen kann dorthin gehen, wohin kein Verstand oder Intellekt gehen kann. Durch reines Fühlen, ohne Widerstand, ohne Bemühung, ohne Vorurteil, können wir den Fluss des Lichts, der uns führt, intuitiv wahrnehmen. Im Loslassen befreien wir uns, um zu hören – das ist der Schlüssel!

Wenn in deinem Leben ein Problem auftaucht, dann scheuche es also nicht als etwas fort, das du nicht willst. Betrachte es stattdessen als Einladung, maskiert als Problem, als Aufruf nach Hause zu dir selbst zu kommen. Bringe dem keinen Widerstand entgegen! Lasse dich stattdessen vollkommen los und falle hinein. Höre, wie die Stille hört, aber bleibe in Gegenwart des Problems beständig und aufmerksam gewahr, egal ob es Schmerz ist, Krankheit, Verzweiflung oder Hoffnung. Halte dein Problem mit Leichtigkeit in deinen Gedanken, so leicht, wie das Sonnenlicht auf einer Blume ruht und sie erleuchtet. Immer gegenwärtig, aber doch schwerelos. Sobald du dich tiefer in das Angebot sinken lässt, welches von dem Problem präsentiert wird, wirst du anfangen Dinge wahrzunehmen – leuchtende Stücke deines intuitiven Ura, Gefühle, die aufsteigen. Dann lass weiter los und weiter, bis alle Gedanken, die noch irgendein Gewicht tragen, unberührt vorbeigezogen sind. Was am Ende bleiben wird, ist ein Funken deiner inneren Führung. Anfänglich wird es nicht mehr sein, als ein kleiner Anflug von Glückseligkeit. Doch je mehr du kapitulierst und dich diesem Gefühl von Glückseligkeit hingibst, umso stärker wird es werden. Bis seine Ströme an einem unbekannten Punkt deine letzten verbliebenen Gedanken in tiefe Erkenntnisse wandeln werden. Wenn die richtige Realisation kommt, dann wirst du sie nicht denken, sie wird nicht in Gedankenform erscheinen – du wirst wissen! Nun hast du sie gefunden – deine wahre Intuition bietet dir das Licht des Wissenden dar, das Bhasaijya Pramana deines Hohen Selbst.

Aaravindha Himadra
Übersetzt von Aiyanna Diyamayi

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